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Bereits in der fünften Generation wird das alte Handwerk des Holzschuhmachens von der Familie Hamann ausgeübt, jetzt von Lorenz Hamann, einem der letzten Holzschuhmacher in Norddeutschland. Die ausgezeichnete Handwerksarbeit führte dazu, dass die Holzschuhe, bekannt als "Preetzer Holzschuhe", den Namen der Stadt weit über die Grenzen hinausgetragen haben. Als sich 1966 die Innung der Holzschuhmacher mangels Mitglieder auflöste, schien das Ende einer jahrhunderte alten Handwerkstradition besiegelt. Doch Totgesagte leben länger, sagt ein Sprichwort, und so feierte - genau dreißig Jahre später - Lorenz Hamann das 150jährige Bestehen des Familienbetriebes.

Zur Zeit der Gründung waren in Preetz bereits 300 Schuhmacher ansässig und es hieß im Volksmund: "In Preetz, da steht een Kloster, all Nees lang wohnt een Schoster." Durch die Viehhaltung und Forstwirtschaft des Klosters lagen die Rohstoffe für Gerber und Schuhmacher praktisch vor der Tür. Die handwerkliche Arbeit der Holzschuhmacher unterlag einer strengen jahreszeitlichen Regelung. Im Winter, wenn die Sümpfe gefroren waren, wurde das benötigte Erlenholz geschlagen, auf handliche Längen geschnitten, angeborkt und in Stöße geschichtet. Diese Bevorratung war durch die große Kapitalbindung nicht ohne Risiko für den einzelnen Betrieb und brachte bei schlechten Umsätzen manchen in arge Bedrängnis; denn sie produzierten - mit geringen Ausnahmen - Schuhe für arme Leute, die im Sommer meistens barfuß liefen und nur im Winter oder zu besonderen Anlässen Schuhe trugen. Das Sortiment bestand aus fünfzehn unterschiedlichen Modellen, die von Größe 21 bis 52 gefertigt wurden. Vom einfachen, geraden Frauenschuh, der, wenn er schiefgelaufen war, von links nach rechts gewechselt wurde, über die nach Berufsgruppen unterschiedlichen Arbeitsschuhe bis zu den besonderen Anfertigungen wie z.B. den feinen Fehmarner Bauernpantoffel oder den Konfirmationsschuh, der gefüttert und zusätzlich mit Sinnsprüchen verziert wurde.

Das geschäftliche Leben der Holzschuhmacher war ein ständiges Auf und Ab. Hamanns Vater pflegte zu sagen: Deutschlands Not ist unser Brot! Und tatsächlich ging es den Holzschuhmachern in Kriegs- oder Inflationszeiten immer besonders gut. So war die Holzschuhmacherei Hamann sogar eine Zeit als Rüstungsbetrieb privilegiert, weil sie die Holzschuhe für die Werftarbeiter, die die Kriegsschiffe bauten, in hohen Stückzahlen produzierten. Das forderte natürlich die Industrie heraus und brachte dem Handwerk die existenzbedrohende Konkurrenz, der sie später auch größtenteils erliegen sollte. Noch beschäftigte die Holzschuhmacherei Hamann 16 Mitarbeiter, die pro Tag 200 Paar Spezial-Holzschuhe für Steinsetzer, Fischer, Schmiede usw. fertigte.

Dann kam 1970 mit neuen Vorschriften für die Berufsbekleidung der große Einbruch, als die Aufträge der großen Werften mit einem Schlag ausblieben. Der Beruf des Holzschuhmachers war nie ein Weg zum Wohlstand, denn ihre Kunden mußten mit dem Pfennig rechnen. Auch gab es mitunter kein Leder und es wurden Ersatzstoffe verwendet. So erinnert sich Lorenz Hamann an das Modell LF 26, das seinen Namen vom Löschfahrzeug 26 erhielt, dessen ausgediente Schläuche als Lederersatz herhalten mußten. Nach dem Aus der Berufsschuhe war der Betrieb nicht mehr existenzfähig, da halfen auch die Individualisten nicht, die nur ein reines Naturprodukt haben wollten und dem traditionellen Holzschuh die Treue hielten: Lorenz Hamann, der letzte der Holzschuhmacherfamilie schulte in eine andere Erwerbstätigkeit um, ohne jedoch das Handwerk aufzugeben. Liebe und Verpflichtung zum Beruf sowie Freude an der eigenen Fertigkeit ließen ihn die alte Werkstatt erhalten und damit ein Stück Preetzer Tradition. Eine Modewelle aus Skandinavien prophezeite in den 80er Jahren eine Renaissance der Holzschuhe, und tatsächlich liefen plötzlich alle Kinder in sogenannten Clogs herum. Aber ebensoschnell wurde dieser Trend von den Joggingschuhen verdrängt. Lorenz Hamann aber suchte neue, beständige Absatzmärkte und fand sie auf Landwirtschaftsausstellungen, historisch ausgerichteten Märkten und Kunsthandwerksmessen. "Auf diese speziellen Märkte konzentrieren wir uns." erklärt Lorenz Hamann seine Vielbeschäftigung, von der sein Vater nicht zu träumen gewagt hätte. Außerdem beliefert er Theater und Festspielproduktionen, wie die Eutiner Sommerspiele, die die Kunst des Holzschuhmachers zu schätzen wissen. Seit einigen Jahren beteiligt sich Lorenz Hamann an den Handwerkswochen im Freilichtmuseum Molfsee. Dann wandert ein Großteil der historischen alten Werkstatt nach dort, um einem interessierten Publikum das alte Handwerk des Holzschuhmachers originalgetreu zu zeigen. Hier wird auch wohl eines Tages die Werkstatt des Letzten seiner Zunft eine endgültige Bleibe finden. Der passende Ort wäre es. Aber bis dahin wird sicher noch einige Zeit vergehen. Zudem hat Lorenz Hamann mit seinem Enkel Bjarne Voß bereits einen Anwärter, der die Familientradition weiter führen will.